Eichenholz

Eichenholz

(lat.: quercus) Bei den Eichen handelt es sich um eine Gattung der Laubgehölze (und damit Hartholz), welche zur Familie der Buchengewächse (Fagaceae) gehört. Die Gattung bezieht etwa 600 Arten mit ein, wovon 450 der Untergattung „Quercus“ und 150 der Untergattung „Cyclobalanopsis“ angehören. Eichen kommen als immer- oder sommergrüne Bäume, seltener als Sträuche vor und sind vor allem an ihrer „Frucht“ – der Eichel, die zu den Nussfrüchten zählt – zu erkennen. Wegen der teilweise recht großen Unterschiede der technischen Eigenschaften und auch ungleichen Aussehens, werden die Eichenhölzer in drei (biologisch genau genommen fünf) große Hauptgruppen aufgeteilt: Zerr-Eichen, Weißeichen und Roteichen, wobei nur die beiden letztgenannten (vor allem aus Sicht der europäischen Holzwirtschaft) von Bedeutung sind. Verbreitet sind die Eichen sozusagen „gruppenweise“: bei den Weißeichen gibt es die erste in Europa und Vorderasien, die zweite nur in Ostasien und die dritte lediglich in Nordamerika.

Bei den Roteichen verhält es sich ähnlich: es gibt zwei kleine Gruppen, wovon eine ebenfalls in Europa und Vorderasien zu finden ist und die andere natürlicherweise in Nordamerika, aber auch in Europa angepflanzt wird. Die Eiche wird für die nördliche Halbkugel auch heute noch als wichtigste Laubbaumgattung und bedeutungsvolle Holzart eingestuft, denn ihr Verwendungsspektrum umfasst reicht weit über die rein physikalische (vor allem des Holzes) hinaus: die Eiche als heiliger Baum in Mythen und Sagen diverser Zeitalter von verschiedenen Religionen (Judentum, Christentum, antikes Griechenland, in Rom und bei den Kelten und Germanen), in der Justiz (unter Eichen und Linden wurde Gericht gehalten), in Liedern (z.B. im Niedersachsenlied), in der Symbolik (z.B. als Symbol für Ewigkeit (da ein Baum bis zu 30 Generationen überdauern kann), auf Wappen, Münzen (die deutschen Ein-, Zwei-, Fünf- und Zehn-Pfennigstücke hatten Eichenblätter auf der Rückseite, das Fünfzig-Pfennigstück eine „Eichenpflanzerin“ auf der Vorderseite (ebenso wie zuvor die Goldmark, die Reichsmark, die Mark der DDR und die D-Mark Eichen oder ihr Laub als Bestandteil der Prägung auf der Vorderseite hatten) und die dt. fünf-, zwei- und ein-Cent-Stücke haben das Eichenblatt auch heutzutage rückseitig), Ormanenten etc., wobei sowohl komplette Bäume, als auch Blätter (teils echt, teils nur als Symbol) oder Eicheln (ebenfalls echt oder symbolhaft) verwendet werden) und in der Archäologie als Datierungshilfe.

Die Nussfrucht Eichel ist reich an Proteinen und Kohlehydraten und wurde (und wird teilweise noch immer) daher in der Tierzucht – vorwiegend für Schweine – eingesetzt. In Notzeiten haben Menschen sie aber auch selbst verzehrt, wofür jedoch die wasserlöslichen Gerbstoffe durch schälen, zerkleinern und mehrmaliges heiße Bäder zunächst entfernt werden mussten; an der Verfärbung des Wassers war der Erfolg abzulesen, wobei die Hitze den Vorgang beschleunigte. Anschließend diente das gewonnene Produkt als Mehlersatz oder auch als Kaffee-Ersatz „Muckefuck“, der in der DDR besonders weit verbreitet und über ihre Grenzen hinaus bekannt, allerdings zumeist nicht besonders beliebt war.

Eichen werden mit ihren etwa 20-35m nicht besonders hoch, dafür können sie jedoch – bedingt durch ihr hohes Alter, das sie imstande sind zu erreichen – durch die Jahresringe einen beträchtlichen Umfang bekommen. Hierfür ein paar Beispiele: die älteste Eiche Europas, beheimatet nahe Bad Blumau (Steiermark) wird auf ca. 1.200 Jahre geschätzt und mißt einen Stammumfang von 8,75m. Im Jahre 1924 hatte in der Gegend von Bad Polzin eine Eiche, welche urkundlich als Grenzmal aus dem Jahr 1321 benannt wurde, einen stattlichen Umfang von 9,5m. Betagter sind lediglich die zwei folgenden Eichen: die älteste deutsche („Ferneiche“) mit ca. 1.500 Jahren und die (bekanntermaßen) älteste lebende Eiche europaweit steht in Bulgarien im Ort „Granit“ und hat etwa 1.640 Jahre auf der Krone. Die soeben genannten werden natürlich nicht mehr als Nutzholz verwendet, die jüngeren „Artgenossen“ zwischen 120 und 140 Jahren für Bauholz und 240 bis 300 Jahren für die dekorative Schicht bei Furnierholz (am Beispiel der Stieleiche) müssen dafür eher dran glauben. Die Eichen können vor allem mit ihrem hellen, aber stark nachdunkelnden Holz in vielen Bereichen eingesetzt werden. Das Splintholz der Weißeichen ist weiß bis hellgrau, während ihr Kernholz leicht hellbraun mit evtl. leicht rötlichem Ton ist.

Das Splintholz der Roteichen ist hellgrau bis blassrosa, ihr Kernholz ist hellrötlich-grau bis rötlich-braun und selten hellbraun; bei beiden Gruppen können im innersten Kernholz auch rötliche oder dunkelbraune Streifen auftreten. Durch die deutlichen Farbunterschiede zwischen Splint und Kern sind die Jahresringe deutlich erkennbar. Eichenholz ist generell mittelschwer, verrottungs- und witterungsbeständig (allerdings treten je nach Intensität und Dauer des Kontaktes mit der Feuchtigkeit leichte bis starke, nachdunkelnde Verfärbungen auf) und sogar widerstandsfähig gegen Pilze und Insekten, was seine „Bewohnbarkeit“ zeigt: in Eichenkronen können bis zu 1.000 Insektenarten leben – davon ggf. um die 100 Schmetterlingsarten, womit die Eiche den Rekord knapp vor der Salweide hält. Darüber hinaus ist ihr Holz für die Weiterverarbeitung besonders wertvoll, da es sich trotz langer Trocknungsphase – die wegen der hohen Gefahr von Rissbildungen vorsichtig gestaltet werden muss – gut bearbeiten lässt, stabil und belastbar ist. Roteichen sind wegen ihrer offenporigen Struktur besser mit Flüssigkeiten zu tränken und für diese auch durchlässig, was zwar einerseits bedeutet, dass sie leichter zu färben bzw. beizen sind, sich aber aufgrund der Durchlässigkeit weniger zum Bau von z.B. Fässern eignet wie andere Eichensorten.

Früher wurde das Holz viel im Schiffsbau eingesetzt und wurde auch dafür verwendet um ganze Häuser zu errichten. Aus der Baumrinde wurde, sofern sie noch jung und glatt war, Gerbstoffe für die Lohgerberei (Lederbearbeitung) gewonnen, wohingegen borkenlose Rinde auch in der Volksmedizin bei der Heilung von Mund- und Schleimhautentzündungen zum Einsatz kam. Und aus den Galläpfeln einem der „Eichenbewohner“, der Eichengallwespe, wurde ein wichtiger Grundstoff zur früheren Tintenherstellung genutzt.

In der heutigen Zeit wird Eichenholz im Brücken- und Wasserbau eingesetzt und zur Herstellung von Eisenbahnschwellen, Treppen, Fässern (speziell für Wein zur „Barrique“-Lagerung; ca. 180 Arten eignen sich für die Fassherstellung), Möbeln (z.B. Tischplatten), Vertäfelungen, Furnieren, (Außen-)Türen, Schwellen und Bodenbelägen (Laminat, Parkett und Dielen) verwendet. Eichenholz sollte z.B. als Bodenbelag grundsätzlich nicht (!) gelaugt werden, da es zu Reaktionen mit den Inhaltsstoffen verschiedener Laugen kommen kann, was sich dann sowohl optisch als auch in der geringeren Lebensdauer des Holzes äußert. Außerdem wird es als Brennholz verwendet, obwohl das Flammenbild von z.B. Buche und Birke gleichmäßiger und die Heizwerte anderer Hölzer wie z.B. dem der Rotbuche deutlich höher sind. Auch heute noch kommt Eichenrinde gelegentlich bei Heilpraktikern in Form von Tee zum Einsatz, wenn es um die Behandlung von Magen- und/oder Darmentzündungen geht und äußerlich bei nässenden Ekzemen und Entzündungen. Und zu guter letzt wird aus der Borke der der Korkeiche das nach ihr benannte Produkt gewonnen bzw. hergestellt, nämlich Kork, woraus wiederum Korken (für Sekt- und Weinflaschen etc. gemacht werden), Pin-Wände und sogar komplette Korkböden produziert werden.

Für die Eiche gibt es viele Austauschhölzer, doch nur wenige von ihnen sind geeignet und (in Europa) viel gehandelt, daher hier nur die wichtigsten: Framire/Emeri (weil es vor allem im Aussehen befriedigend bis gut ist, dafür überzeugt es aber im technisch-konstruktiven Bereich durch seine unregelmäßige Dichte nicht wirklich), Koto/Anatolia (gedämpft; wenn nicht verbläut im Aussehen ebenfalls befriedigend bis gut, technisch-konstruktiv nur teilweise einsetzbar), „Tasmanian Oak“ (im Aussehen teilweise gut und technisch-konstruktiv befriedigend) und Edelkastanie, die technisch-konstruktiv teilweise gut ausgetauscht werden kann und zusätzlich die überzeugendste optische Auswechselung bietet.