Romantisch und verspielt – Die Epoche des Jugendstils

Romantisch und verspielt – Die Epoche des Jugendstils

Die Kunst-, Architektur- und Stilepoche des Jugendstils fällt in den Zeitraum nach der Industrialisierung, dem sogenanten Fin de siècle, und schließt sich direkt an die Biedermeier-Aera an. Sie erstreckt sich über einen Zeitraum von etwa 20 Jahren um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert. In Europa wird diese kunstgeschichtliche Epoche unterschiedlich bezeichnet als
jugendstil
Frankreich – Art nouveau
Österreich – Secessionsstil
England – Modern Style
Spanien (Katalonien) – Modernisme
Italien – Floreale, Liberty
Russland – Modern

Auch als Reformstil ist der Jugendstil in Deutschland und Österreich bekannt. So unterschiedlich wie die internationalen Bezeichnungen, waren auch die Ausprägungen des Jugendstils. Er ist daher eine grobe Zusammenfassung unterschiedlicher Gestaltungsmerkmale in den verschiedenen Ländern Europas. Erstmals war in dieser Zeit die Herstellung von Möbeln und Dekorationsgegenständen durch eine Art kunstgewerbliche Massenproduktion geprägt, was ihr in klassischen Künstlerkreisen die Kritik des Billigen einbrachte. Andererseits ist der Jugendstil geprägt von einer bewussten kunstgewerblichen Aktivität.

Typische Merkmale des Jugendstils

Der Jugendstil erscheint insgesamt sehr romantisch und verspielt. Typische Design-Merkmale sind daher florale Ornamente und geschwungene Linien. Insbesondere in der Architektur lösten Rundungen erneut die symmetrischen Formen ab. Zum Jugendstil gehört auch die gesellschaftliche Bewegung jener Zeit, die sich von den strengen Regeln der vorausgehenden Epochen durch eine besondere Leichtigkeit absondert. Die Epoche zeichnet sich unter anderem durch eine enge Verbindung von Kunst und Alltag aus. Daher erhielten auch einfache Gebrauchsgegenstände erstmals kunstvolle Formen und Dekorationen. Insbesondere klassische Künstler betrachteten diese Bewegung kritisch, da sie klar zwischen Kunst und Gebrauchsgegenständen unterschieden. Moderne Künstler dieser Zeit hingegen unterstützten die Einkehr der Kunst in den Alltag und beteiligten sich rege an der dekorativen Gestaltung von Architektur und funktionalen Gegenständen. Auch asiatische, insbesondere japanische Stilelemente fanden Eingang in den Jugendstil. Typisch für den Stil sind bunte Scheiben in Vitrinen und Türen sowie die üppig bunt gestalteten Tiffanylampen.

Jugendstil und moderne Gesellschaft

Der Jugendstil galt auch gesellschaftlich als eine Art Befreiung hin zur Moderne und stand stark unter dem Einfluss der Industrialisierung. Ihren Ursprung fand die Jugendstil-Epoche in Großbritannien, wo sich bereits unter den Werkkünstlern William Morris und Philip Webb die Arts-and-Crafts-Bewegung gebildet hatte. Sie verstand sich als Gegenbewegung zur industriellen Revolution und verzichtete bei der Herstellung von Möbeln, Gebrauchsgegenständen und Kunstgegenständen bewusst auf den Einsatz von Maschinen.

Zentren des Jugendstils in Deutschland

In Deutschland war der Jugendstil zwar in München und Berlin stark vertreten, und zwar insbesondere durch avantgardistische Künstler, die in den Städten wirkten und für eine Verbreitung der Stilelemente sorgten. Vor allem aber bilden kleinere Städte die Zentren des Jugendstils, unter anderem Darmstadt, Bad Nauheim, Bayreuth, Karlsruhe, Nürnberg, Leipzig, Halle an der Saale und Hagen. Bis heute sind in diesen Städten noch typische Bauwerke des architektonischen Jugendstils erhalten.