Thonet S 64

Thonet S 64

Seit 1930 bis heute stellt die Firma Thonet GmbH aus Frankenberg ununterbrochen die berühmten, von Marcel Breuer entwickelten, Freischwinger her, diese besonderen Stühle, die aufgrund ihrer Konstruktion aus kaltgebogenem Stahl ohne Hinterbeine auskommen. Die erste gelungene Entwicklung Marcel Breuers, der hinterbeinlose Kragstuhl, wie der Freischwinger ursprünglich bezeichnet wurde, war unter der Typbezeichnung B 32, später und bis heute S 32, bekannt. Dieser Stuhl bestand aus einem kaltgebogenen Stahlrohrrahmen, der aufgrund seiner Elastizität geeignet war, auch schwere Belastungen zu tragen.

Marcel Breuer wurde 1902 in Ungarn geboren und studierte zunächst am Staatlichen Bauhaus in Weimar, bevor er in den Jahren 1925 bis 1928 die Tischlerwerkstatt am Bauhaus in Dessau leitete. Während dieser Zeit arbeitete er bereits an verschiedenen Stahlrohrkonstruktionen und an einem ersten Modell des Freischwingers. Später war Marcel Breuer in der Schweiz, in London und in den USA tätig, wo er eine Professur an der Universität von Cambridge, Massachusetts, übernahm. Später gründete er dort gemeinsam mit Walter Gropius ein Architekturbüro.

Seine Rechte als Designer an dem Freischwinger B 64 hatte Marcel Breuer schon 1929 an die Firma Thonet verkauft, die dieses Modell unter der neuen Bezeichnung S 64 herstellte und verkaufte. Im Prinzip entspricht der Thonet S 64 dem Modell S 32. Er unterscheidet sich lediglich dadurch, dass er mit Armlehnen ausgestattet ist.

Während die ursprünglichen Modelle dieser Freischwinger mit einer Sitzfläche und Rückenlehne aus einem mit einem Rohrgeflecht ausgefüllten Buchenholzrahmen bestanden, entwickelte Thonet viele weitere Varianten dieses Klassikers. Der S 32 und der S 64 werden heute verbreitet mit Sitzflächen und Rückenlehnen aus Holz oder einer mit Leder oder Kunstleder überzogenen Polsterung hergestellt. Dieses Stuhlmodell ist beinahe jedem Kind ein Begriff, ohne seine Bezeichnung und seine Geschichte zu kennen, aber dieser Stuhl steht von vielen Wartezimmern, in Restaurants und vielen öffentlichen Gebäuden.