Farbkreis und Co.

Eugene Chevreul nimmt eine Zwischenstellung zwischen der physikalischen und der physiologischen Sichtweise der Farbenlehre ein. Er befasste sich mit dem Simultankontrast von Farbpigmenten im künstlerischen und industriellen Kontext, während sich James Clerk Maxwell rein physikalisch mit der Farbenlehre befasste. Er entdeckte 1861, dass sich jede Farbe aus den Primär und Grundfarben Rot, Grün und Blau, also aus Farblichtern zusammensetzt. Johannes Itten, ein Zeichenlehrer am Bauhaus in Dessau, stellte die Komplementärfarben Orange, Grün und Violett, ähnlich wie Goethe, in einem Farbkreis dar. Weiß und Schwarz waren laut Itten keine Farben oder Nichtfarben. Das dreidimensionale Farbmodell von Itten war die Kugel, die 1810 von Philipp Otto Runge konzipiert wurde. Johannes Ittens Lehrer war Paul Renner, dessen Idee der sieben Farbkontraste Itten weiterentwickelte.

Harald Küppers entwickelte dagegen eine modernere Theorie der Farbenlehre, die die Untersuchungen Goethes und Ittens hinterfragte. Küppers war in der Reprotechnik beschäftigt und führte Untersuchungen zur Farbwiedergabe im Druck aus. Küppers Farbenlehre wurde teilweise in die Lehrpläne von Schulen verschiedener deutscher Bundesländer aufgenommen. Küppers schrieb Lehrbücher für die Schule und Ausbildung. Seine Farbenlehre geht von der Gesetzmäßigkeit des „Sehens“ aus und fand auch Anwendungen in Foto, Film und Videoverarbeitung. Harald Küppers entwickelte das „Gesetz der integrierten Mischung“, dass für deckende Farben und Farbmittel gilt. Das Gesetz impliziert acht Grundfarben, sechs bunte Farben und die Farben Weiß und Schwarz. Diese acht Grundfarben entsprechen laut Küppers den acht Empfindungsmöglichkeiten, die das Auge hervorbringen kann. Keine der acht Grundfarben läßt sich nach diesem Gesetz durch Mischung herstellen.

Das dreidimensionale, geometrische Darstellungssystem der Farben ist bei Harald Küppers das Rhomboeder. Das Ordnungssystem der überwiegend bunten Farben ist das Buntartensechseck und nicht der Farbkreis, wie bei Johann Wolfgang von Goethe. Nach Küppers gibt es in der Farbenordnung nur geradlinige Verbindungen zwischen den Farbtönen. Die Ordnung der nichtbunten Farben ist bei ihm die Unbuntarten Gerade zwischen den Endpunkten Weiß und Schwarz seines Rhomboeders. Küppers Theorie erklärt das Sehorgan und die wichtigsten Farbmischgesetze.

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