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Bambus

(lat. Bambuseae) Die vielgestaltige Pflanze aus der Unterfamilie der Bambusgewächse (Bambusoideae) zählt im biologischen Sinne zu den (Süß-)Gräsern. Sie bilden unterirdisch verzweigte Rhizome (Wurzelnetzwerke), an deren Ausläufern oder Enden (je nach Art) grasartig wachsende, schlanke, oftmals verzweigte und nicht selten meterlange Halme mit grasartigen Blättern aus dem Boden wachsen. Diese Halme brechen stets in ihrer späteren Größe aus dem Boden, d.h. sie nehmen später lediglich an Höhe, jedoch nicht mehr – wie z.B. Bäume – an Umfang zu. Einige Halme können verholzen, mit ihren Blättern luftige, schattenspendende Kronen entstehen lassen und sogar blühen. Ganz grob kann man Bambus nach der Ausformung seiner (den Pilzen ähnlichen) Rhizome und Wachstumseigenschaften in vier Gruppen einteilen: die monopodialen bzw. leptomorphen (sie kommen in den gemäßigten Klimazonen und in den Subtropen vor und bilden lange, dünne Ausläufer mit einzelnen Trieben; sie sind dadurch sehr geeignet um z.B. bei Erdbeben gegen Erdrutsch oder Bodenerosion zu schützen, aber eher weniger, um sie selbst im eigenen Garten anzupflanzen; s.u.), die sympodialen bzw. pachymorphen (sie kommen in den Tropen vor und bilden kurze, dicke, kräftige Wurzelstämme mit neuen Halmen an den jeweiligen Wurzelspitzen), als dritte Gruppe die Kletterbambusse (bzw. Bambusse mit amphipodialen Rhizomen) und als vierte Gruppe die bodenbedeckenden Bambusse.

Wieviele Arten Bambus es insgesamt gibt, konnte nicht eindeutig geklärt werden; aber es sind weitaus mehr als 1.447, denn soviele beinhaltet allein schon die verholzende Bambusart „Tribus Bambuseae“. Eindeutig nicht zu den Bambussen zählt der dekorative „Glücksbambus“ (auch als „Lucky Bamboo“ bezeichnet) – sondern entgegen der landläufigen Meinung gehört er zu den Yucca-Gewächsen. Die Begründung hierfür ist das kurze Wurzelwerk, welches erst gebildet wird, wenn die Bambusstäbchen (oder kompletten Pflanzen) längere Zeit mit Wasser Kontakt hatten und dass die Pflanzen nie besonders lange leben. Ihre Rhizome (s.o.) und die Langlebigkeit sind allerdings Eigenarten, die alle anderen Bambusarten ausnahmslos miteinander teilen – so verschieden sie ansonsten auch sein mögen.

Bambus kommt – mit Ausnahme von Europa und der Antarktis – auf jedem Kontinent vor, wenn auch unterschiedlich stark vertreten. Vor allem in Asien – wo er allerdings noch immer als „Baumaterial und Holz der armen Leute“ angesehen wird – setzt man die sich schnell reproduzierende Pflanze mit großer kultureller, ökonomischer und ökologischer Bedeutung für etwa 1,5 Milliarden Menschen als Lebensgrundlage in den unterschiedlichsten Bereichen ein. Doch auch in unseren Breiten hat man unlängst entdeckt, dass Bambus weit mehr kann, als nur ein dekoratives Accessoire zu sein. Einsetzbar ist er als energetisch hochwertiges Brennmaterial (in Form von z.B. Pellets oder Bambus-Holzkohle), für Deko- und Gebrauchsgegenstände (geflochtene Körbe, Hüte, Vorhänge, Reusen, Matten etc. und stabile Messer, Wetzsteine und Schreibwerkzeug), als wertvolles Nahrungs-(-ergänzungs-)-mittel, in der Textilproduktion (zur Texturverbesserung), für Pflege- und Kosmetikprodukte, als Heim- und Gartenpflanze und als natürlich nachwachsender Baustoff (Möbel, Hausbau und zur Erzeugung diverser Biowerkstoffe).

Als Nahrungsmittel beherbergt der überaus nährstoffreiche Bambus (er enthält u.a. Vitamine, Mineralstoffe, Kohlenhydrate, Proteine und Fette) für uns Europäer sicherlich noch so manche Überraschung. Verwendet werden kann er direkt in Form von ballaststoffreichen Bambussprossen, Bambusfrüchten, ernährungsphysiologisch wertvollem Tee aus Bambusblättern (der sogar gegen Migräne vorbeugen soll), oder als Extrakt in Form von z.B. Bambusmilch. Als Nahrungsergänzungsmittel wird das gesunde Gemüse mit wenig Eigengeschmack in Form von nahrungsmittelstreckenden und kalorienreduzierenden Pulvern oder Fasern (wobei in Deutschland beides nicht zugelassen ist) eingesetzt, was in Fruchtsäften, Backwaren, Tabletten, Gewürzen und Soßen verwendet wird.

Und auch als vielfältiges, schnell nachwachsendes Baumaterial mit langer Tradition bringt der Bambus äußerst überzeugende, ökologisch wertvolle und wichtige Argumente vor. Nicht nur seine multiplen Anwendungsmöglichkeiten, sondern vor allem die Schonung der – sowohl heimischen als auch tropischen – Holzbestände ist das schlagkräftigste Argument, wenn man sich bei der Verwendung des Bambus vergewissern möchte, das richtige zu tun. Denn das ist mit Sicherheit der Fall: er ist die Pflanze mit der höchsten Wachstumsgeschwindigkeit auf der ganzen Welt (ein Beispiel: in Indien gibt es eine Sorte, die innerhalb eines Monats um 22 m wachsen kann), dabei noch besonders effektiv (er wächst – je nach Sorte – bis zu 40m hoch) und kann wesentlich früher genutzt werden als ein Baum (es gibt Arten, die bereits nach 6Jahren ausgehärtet sind und so stabil „geerntet“ werden können – bei einer Eiche ist dies erst nach ca. 100Jahren der Fall). Außerdem produziert Bambus darüber hinaus während seiner Wachstumsphase ca. viermal soviel Biomasse wie die soeben erwähnte Eiche, bindet wesentlich mehr CO2 und bildet zugleich mehr Sauerstoff als die meisten anderen Pflanzen auf unserem Planeten – und braucht überdies noch beispiellos wenig Energie für das schnelle Wachstum.

Die mechanischen Eigenschaften wie enorme Stabilität, Druck- und Biegefestigkeit, Härte und zugleich Elastizität sind in dieser Ausgeprägtheit und Kombination in keinem anderen natürlichen Material zu finden. Er wird sogar als Baustoff für tragende Konstruktionen (für Baugerüste oder komplette Häuser) verwendet. Hier zu Lande haben neben den Designern – die Bambus wegen seiner ursprünglichen Optik mögen und ihn z.B. für Möbel verwenden – und Gärtnern (wobei man hier bei den monopodialen bzw. leptomorphen Arten sehr vorsichtig sein muss, denn sie eignen sich aufgrund ihres weitläufigen Wurzelwerkes nicht, um sie im eigenen Garten anzupflanzen, da ansonsten (im schlimmsten Fall) die gesamte Nachbarschaft auch ungefragter- und ungewollterweise Bambus im (Vor-)Garten hat – es sei denn, wurden spezielle Rhizom-Sperren vom Bambus-Pflanzer mit eingesetzt) unlängst auch die holzverarbeitenden Berufe und die Innung/Zunft der Holz-Handwerke für sich entdeckt. Um den exotischen Baustoff witterungs-, insekten- und pilzresistent zu machen, muss er allerdings vor seiner Verwendung für Bambusplatten(-werkstoff), Bambusrohr, Bambusholz, Biowerkstoffe u.a. (und den daraus entstehenden Produkten wie z.B. Zäune, Fassaden, Bodenbeläge (Laminat, Parkett und Dielen) entsprechend behandelt werden. Hierfür gibt es verschiedene Methoden: Bambus kann – ähnlich wie Thermoholz – gedämpft werden, wodurch es zugleich einen wohnlichen, karamellfarbenen Farbton erhält, allerdings auch leicht angebrannt riecht und eine relative Restfeuchtigkeit von knapp 18% enthält. Alternativ werden neben den traditionellen chemischen Behandlungen auf Borsalz basierende Lösungen entwickelt.

So kann Bambus stabil, elastisch und langlebig in allen Bereichen und unter allen klimatischen Bedingungen eingesetzt werden. In Zukunft würden so auch die Bambushäuser in den erdbebengefährdeten Gebieten – welche resistenter und standhafter sind als Häuser aus Stein oder anderen Materialien – frei von z.B. Insekten oder Pilzen. Zu guter letzt sei noch der Hinweis auf eine Besonderheit in der Verarbeitung gestattet: denn obwohl Bambus sich im großen und ganzen – zumindest angeblich – ähnlich wie typisches Bauholz verarbeiten lässt (wobei nirgends gesagt wird, inwieweit es dafür vorbehandelt sein muss), enthält Bambus einen hohen Anteil Kieselsäure in der harten Außenhaut, die auf Dauer auch die schärfsten Werkzeuge stumpf werden lässt. Also: besser öfter nachschleifen oder auswechseln, damit man sich nicht durch zu hohen Druck aus Versehen verletzt! Das Ausfransen des geschnittenen Bambus ist ein erster Hinweis darauf, aber noch kein Alarmsignal. Wenn man diese Kleinigkeit beachtet, kann nichts mehr schief gehen.

Dekorativ oder konstruktiv, geschnitten oder am Stück – das sind hier die zwei Fragen, die sich der Verwender des verblüffend vielfältigen Rohstoffs Bambus einzig und allein stellen muss. Denn nur das „wie“ ist entscheidend – die Frage, ob man Bambus als „benutzerfreundliches Riesengras“ sinnvoll nutzen kann, stellt sich wohl gar nicht erst.